GEO-special magazine - Zimmer mit Erdblick
Nr6. December 2003/Januari 2004 By Hans Zipert

C O U N T D O W N

Wenn Makler träumen, dann träumen sie nur vom Mond, denn der Mond ist das größte, zusammenhängende Bauerwartungsland in ereichbarer Nähe. Grundstücke
können schon seit einiger Zeit zu sehr günstigen Preisen erworben werden,obwohl die Besitzverhältnisse unklar sind. Ist der Mond ein amerikanischer Bundesstaat oder handelt es sich um eine Weltkulturlandschaft so wie das Rheintal zwischen Koblenz und Rüdesheim? Allerdings sucht man auf dem Mond vergeblich nach Stimmungslokalen, wie man sie am Rhein in jeder Ecke findet, weshalb Wissenschaftler ja auch der Ansicht sind, der Mond habe keine Atmosphäre und damit für menschliche Siedlungen nicht geeignet. Der Mensch ist jedoch durchaus in der Lage, einen Abend in einem Restaurant ohne jegliche Atmosphäre zu überleben und dafür auch noch Mondpreise zu
bezahlen
.
 
P I O N I E R E
 
Mondbebauung ist noch ein relativ junges Phänomen, und deshalb literarisch nur am Rande behandelt worden. Cyrano de Bergerac unternahm 1656 eine Reise auf den Mond, wo er das Paradies fand und als einzigen Bewohner einen Heiligen, der den Mond noch vor Erfindung der Jakobsleiter erreichte. Er klemmte sich einfach zwei Gefäße mit qualmendem Opferfeuer unter die Achseln. Den Rauch zog es unwiderstehlich gen Himmel und damit ward auch der Heilige emporgehoben und mußte nur rechtzeitig abspringen. Die am 27.9.2003 gestartete europäische Raumsonde Smart-1 braucht mit Ionenantrieb 18 Monate bis zum Mond, mit der Bergerac-Methode wäre sie wahrschenlich schneller. Mecki, der vielgereiste Igel schaffte es 1959 mit Charly Pinguin und dem Schrat ebenfalls auf den Mond, wo er die Sternenbäckerei und einen Mondsee inclusive Mondseebootsverleih entdeckte. Diese erfreulichen Bauten waren aber schon zehn Jahre später nicht mehr vorhanden, als Neil Armstrong und Buzz Aldrin den Mond betraten. Im Gegensatz zu Cyrano de Bergeracs und Meckis Mondmissionen wurde die Apollo-Landung sogar weltweit live übertragen. Trotzdem glaubten viele, wie der amerikanische Wissenschaftler Richard Hoegland, dass auch diese Landung eher eine literarische Fiktion war. Sowohl auf dem Mars als auch auf dem Mond existieren nämlich nach seinen Erkenntnissen riesige gläserne Bauten, die Außerirdische dort zurückgelassen haben. Diese hätte man bei der Liveübertragung auf jeden Fall sehen müssen, weshalb Armstrong und Aldrin niemals auf dem Mond gewesen sein können. Klingt logisch, sie hätten ja eigentlich auch auf Überreste des Paradieses und der Sternenbäckerei stoßen müssen. Verallgemeinern könnte man sagen, es gibt zwei Schulen der Mondarchitektur. Die eine geht davon aus, dass der Mond praktisch vollgebaut ist, nach Ansicht der anderen gibt es dort oben noch sehr viel zu tun. Für die Dauer des Artikels schließen wir uns dieser Meinung an.
 
M O N D H O T E L L E R I E
 
Ganz einig sind sich die Experten nicht, aber irgendwann zwischen 2020 und 2050 soll die planmäßige Bebauung des Mondes beginnen. Schon 1967 hatte der Publizist Heinrich Rieker genaue Vorstellungen, wie so eine Bebauung von
statten gehen könnte. "Als Baumaterial für Notunterkünfte sollen zunächst die leeren Hüllen ausgebrannter Raketenstufen dienen, ebenso die Raumfahrtzeuge früherer unbemannter Testflüge, die die Mondmenschen
vorfinden. Für später ist die Errichtung ganzer Mondstädte vorgesehen, die mit künstlicher Luft vollgepumpt werden. Die Russen ließen bereits durchblicken, dass sie sich in größeren Kratern einnisten werden." In der Tat ließ der russische Wissenschaftler Warwarow im Jahre 1959 diese Absicht durchblicken: "Betrachten Sie das Bild dieses Planeten. Sind seine Täler und Krater nicht geradezu dafür bestimmt, riesenhafte Städte unter Sturzgläsern zu beherbergen?" Unter diesen Sturzgläsern werde dann bedingt durch die geringere Anziehungskraft des Mondes "das Kraut eines Radieschens hoch wie eine Palme; aus einer Zwiebel schießen Triebe von zehn Meter Länge". Zwanzig Jahre später berichtet Johannes von Buttlar über "riesige Zylinder mit Verschlußkappen" , die "langsam um ihre Längsachse rotieren" und Schwerkraftverhältnisse simulieren, die denen auf der Erde entsprechen. Nach diesem Verfahren wurden Weltraumsiedlungen von 800 km” Größe mit mehreren Millionen Einwohnern für durchaus machbar gehalten. Bis heute hat der Umzug aber noch nicht stattgefunden. Erst zwölf Menschen waren nach Angaben der Nasa dort, aber bleiben wollte keiner. Wohnen unter
Sturzgläsern und in Zylindern mit Verschlusskappen hat sich nicht wirklich durchgesetzt. Geplant wird unverdrossen weiter. Der Hotel-Unternehmen Hilton verblüffte vor einigen Jahren mit dem aufsehenerregenden Projekt "Lunar Hilton". Der Londoner Architekt Peter Inston stellte auf einer Pressekonferenz ein gigantisches Freizeitzentrum mit Schwimmbädern, Wellnessbereichen, Vergnügungsparks und Restaurants vor. Allerdings sind nur wenige und immer die gleichen Ansichten dieses Projektes zugänglich, wahrscheinlich will der Konzern verhindern, dass andere Hotelketten sich einfach alles abgucken. Das können sie bei Hans-Jürgen Rombaut auch einfacher haben. Der "+Utrechter Architekt entwarf in seiner Diplomarbeit ein "Lunar Hotel". Und obwohl er Holländer ist, hat er das Ganze keineswegs als Wohnwagenabstellplatz konzipiert, wie man es dem Klischee nach vermuten könnte. Dieses Klischee besagt ebenfalls, dass Holländer im Urlaub immer alles von zu Hause mitnehmen, sogar die Kartoffeln und wer längere Zeit auf dem Mond verbringen möchte, dem bleibt tatsächlich auch gar nichts anderes übrig. Man muß an absolut alles denken, denn der Mond ist momentan eine
Service-Wüste, ein fehlender Korkenzieher oder eine defekte Milchaufschäumdüse könnten den ganzen Mondurlaub ruinieren. Die Prüfungskommission der Universität wollte Rombauts Projekt zunächst nicht zulassen, weil man fürchtete, die ganze Fakultät könnte damit lächerlich gemacht werden. Am Ende standen Fernsehsender und Zeitungen Schlange, um über Rombauts Mondhotel zu berichten und gelacht hat niemand. Er selber nennt sich inzwischen "Lunar architect", entwirft aber immer noch Bürokomplexe und Einkaufspassagen. Die Monderfahrung beeinflusst seine Arbeit kaum, für wirklich ausgefallene Konstruktionen ist die Erdanziehung
in Holland einfach zu groß und es ist zu windig. Außerdem wird jedes Bauvorhaben in den Niederlanden zunächst von einer so genannten "Schönheits-Kommission" begutachtet. Dort wird entschieden, ob das Gebäude in die Umgebung passt oder nicht. Die Beschlüsse des Gremiums werden häufig als willkürlich empfunden, womit man vielleicht versteht, warum ein holländischer Architekt unbedingt auf dem Mond bauen will. Dort lauert keine Schönheitskommission, dafür aber eine hohe kosmische Strahlung und die Meteoriten. Ein Kilogramm Fracht zum Mond kostet zur Zeit noch $10.000, deshalb will Rombaut sein Hotel mit Rohstoffen bauen, die bereits auf dem Mond vorhanden sind. Nur die Maschinen müßten noch hochgebracht werden. Das "Lunar Hotel" soll genau auf der Kante eines 5 Kilometer tiefen Canyons stehen. Ein Drittel des Gebäudes befindet sich unter der Mondoberfläche,der Rest neigt sich in atemberaubender Schräge direkt über den Canyon. Die geringe Schwerkraft und der fehlende Wind machen die gewagte Konstruktion möglich. Grandios wird der Blick auf die erstarrte bizarre Mondlandschaft sein, doch wenn man in den Himmel blickt, wird man die Erde sehen, eine große hellblaue Kugel am nachtschwarzen Mondhimmel. Der Mond wendet uns, dank genau abgestimmter Rotationsgeschwindigkeiten immer die gleiche Seite zu und deshalb sieht man natürlich auch vom Mond aus immer die Erde, wenn man ein Zimmer zur richtigen Seite gebucht hat. Aber in Rombauts-Hotel haben alle Zimmer Erdblick. Das wird mit Sicherheit irgendwann zu Reklamationen von Touristen führen, die 14 Tage immer nur das Gleiche sehen mußten und sich von einem abwechslungsreichen Mondurlaub wirklich etwas mehr versprochen haben. Ein Mondtag entspricht 14 Erdentagen, was wird der Mondhotelgast später mal bezahlen müssen? Eine Übernachtung oder vierzehn? Diese Frage sollte möglichst rasch geklärt werden, bevor sich der Mondtourismus als Minusgeschäft erweist. Bis jetzt ragen die Türme des Mondhotels nur auf dem Papier steil und schräg in den Mondhimmel. In einem Turm wird man sich den Freuden der verringerten Schwerkraft hingeben. In hohen Räumen umherspringen, im Schwimmbad wie ein Delfin aus dem Wasser schnellen oder mit Hilfe einer Art Batmankostüm durch den Turm fliegen. Man wird ein völlig neues Körpergefühl genießen und den Mond als Fun-Planet erleben können. Geradezu meditativ
geht es im Nachbarturm zu, wo die Gäste sich mit speziellen Teleskopen der Erdbeobachtung widmen und seufzend das wohl schrecklichste Heimweh ihres Lebens auskosten können. Das Personal wohnt unter der Mondoberfläche, denn die kosmische Strahlung
könnte, trotz massiver Schutzschilde aus mondeigenem Regolith bei einem längeren Aufenthalt bedrohlich werden. Welchen Service dürfen wir auf dem Mond erwarten? Wird sich die öde, immer gleiche Umgebung nicht negativ auf
die Laune des Personals auswirken, vor allem wenn sie, schwerkraftbedingt, nur ein Sechstel des irdischen Trinkgelds erhalten? Nun, auf jeden Fall werden sie immer strahlen. Wahrscheinlich wird es auch in späteren Jahrhunderten Urlauber geben, die
sich fragen: warum soll ich Hunderttausende ausgeben, nur um zu sehen, dass der Mensch in der Lage ist, in einer völlig lebensfeindlichen Umgebung zu existieren. Das kann ich doch in Bielefeld-Baumheide oder Berlin-Mahrzahn
viel billiger haben. Die meisten werden jedoch dem Drang nicht wiederstehen können, ihren Freunden eine Postkarte vom Mond zu schicken mit einem Kreuzchen am Hotelfenster "Hier waren wir" oder sie melden ein R-Gespräch an: "Ihr kommt nie darauf, von wo wir anrufen..."

 
M O N D B AU V O R H A B E N
 
Im Jahr 2002 initiierte Rombaut mit Kollegen und Wissenschaftlern aus anderen mondnahen Forschungszweigen den "Lunar-Base-Design- Workshop". 50 Studentinnen und Studenten aus 16 verschiedenen Ländern versuchten architektonische Lösungen für verschiedenste Mondszenarien zu erarbeiten Als Gastredner konnte auch Harrison Schmitt, Mitglied der Apollo 17-Mission und "vorletzter Mann" auf dem Mond gewonnen werden. Der Geologe verblüffte sein Auditorium durch einen vollkommen unromantischen Vortrag, in dem nie
von irgendwelchen Emotionen beim Anblick des weit entfernten Heimatplaneten oder dem befreienden Gefühl verminderter Schwerkraft die Rede war, sondern nur von technischen Problemen aller Art. Der Mond ist natürlich ein einziges technisches Problem. Bei der Beschäftigung mit dem Trabanten fällt erst auf, wie fantastisch die Erde eigentlich für uns zum Leben geeignet ist. Außer kostenlosen Parkplätzen in der Innenstadt und schmackhaften Brötchen gibt es dort eigentlich alles. Das Parkplatzproblem könnte dabei auf dem Mond sehr gut gelöst werden. Ob sich bei uns das Konzept: "Hier arbeiten - auf dem Mond parken" jemals durchsetzen wird muß aber bezweifelt werden. Auch das Brötchenbacken bei verminderter Schwerkraft ist experimentell leider nie untersucht worden. Nach unseren Erfahrungen ziehen irdische Käufer Mohnbrötchen den Mondbrötchen vor. Je länger man sich also mit ihm beschäftigt stellt man fest: dem Mond fehltdiese gewisse Gemütlichkeit, die wir auf der Erde doch immer wieder schätzen. Frische Luft, gemähte Wiesen, der Gesang einer Amsel, ein ruhig dahinplätschernder Bach, auf das alles hat der Erbauer des Mondes verzichtet. Es ist eine laut- und geruchslose Welt, in der kein Lüftchen
weht. Alles wirkt kühl und abweisend, man könnte sagen, der Mond ist ein Designerplanet. Statt Gemütlichkeit gibt es unendliche Möglichkeiten der Gestaltung. Beim "Lunar-Base-Design"-Workshop stand ein Team vor der Aufgabe, Wohnraum für Beschäftigte im künftigen Helium-3-Abbau zu schaffen.Sie entwickelten eine Kugel, die den wechselnden Abbaustätten hinterherrollen kann. Der Wohnkugel folgen noch eine Energieversorgungskugel und eine große Kugel, voller Hydrokulturen, also eine Hydrokulturkugel. Die Wohnkugel besteht aus drei Ebenen, in der Inneren wohnt man, die mittlere Ebene ist zu etwa einem Drittel mit Wasser gefüllt, dessen Masse zum Bewegen der Kugel genutzt wird. Die Außenebene
dient als Aufbewahrungsort für schweres und lautes Gerät sowie für ein Rettungsfahrzeug. Das ganze soll einer sechsköpfigen Crew etwa ein halbes Jahr lang, bis zur Ankunft der Ablösung, Unterkunft bieten. Es ist bis auf
die Gästetoilette alles da, was wir auch an einem guten Reihenendhaus schätzen: Küche, Bad, Wohnzimmer, das hier "Chill Out Deck" heißt. Die Schlafzimmer heißen "Private Islands", das ganze Gerümpel steht im Keller, der sich "Maschinen Deck" nennt. Möglicherweise wird sich dieses Konzept eines Tages sogar auf der Erde durchsetzen, wenn Jobsuchende in ihrer Wohnkugel der Arbeit hinterherrollen
können, aber ohne Hydrokulturkugel, die ist auf der Erde überflüssig. Warum müssen diese Mondhäuser so komplett anders aussehen, als Erdhäuser? Kann man das wirklich nur mit Strahlung, Schwerkraft und Meteoriten erklären oder ist es das erklärte Ziel der Architekten, den Mond als ersten Himmelskörper unseres Sonnensystems nicht mit Doppelhaushälften, Gauben und
Einliegerwohnungen vollzustellen? MAn will einfach etwas wirklich Neues machen, dass uns aus dem einen oder anderen Science Fiction Film bekannt vorkommt? Oder anders herum: sieht es bei uns nur so aus, wie es aussieht, weil wir unseren Sauerstoff nicht mitschleppen müssen und die Gravitation so groß ist? Die Wiener Architektin Barbara Imhof, spezialisiert auf Weltraumbedingungen sagt, dass man irdische Maßstäbe nicht auf den Mond übertragen kann. Die Umgebung erzwinge geradezu revolutionäre Bautechniken und ein vollkommen neues Design denn allein die Druckverhältnisse seien auf dem Mond ganz anders. Eine rotierende Kugel ist da viel besser an die Mondbedingungen angepasst, als ein freistehendes Einfamilienhaus mit Walmdach, Carport und Fahrradschuppen. Sie räumt allerdings auch ein, dass beim größten Teil der bisherigen Mondhausplanungen vor allem der technische Aspekt im Vordergrund stand, ohne Rücksicht auf die psychischen Bedürfnisse des Menschen. Ziel des Lunar-Base-Design Workshop waren deshalb Konzepte, in denen auch der Mensch Berücksichtigung fand. Künftige Mondbewohner sollen Freiräume vorfinden, die sie selbst gestalten können und in denen sie seelisch gesund bleiben können.
 
M O N D S T A U B A L L E R G I E N
 

Die Erfahrungen der MIR-Flüge haben gezeigt, dass bei längerem Aufenthalt in der Schwerelosigkeit Depressionen fast unausweichlich sind und die Fehlerquote lebensbedrohliche Ausmaße annehmen kann. Auf dem Mond ist man zumindest nicht vollkommen schwerelos, aber Erfahrungen mit längeren Mondaufenthalten gibt es nicht. In seinem Werk "Der falsche Mann im Mond" berichtet der Autor Gerhard Branstner vom Auftreten einer speziellen lunaren Krankheit: "Eben da kam eine Wolke vom Mondrausch befallener Touristen hereingeschwebt. und wirbelte in phantastischen Walzerschritten durch den Raum. Da keiner von ihnen Trimmschuhe trug, flatterten sie wie
aufgescheuchte Hühner umher. Vor allem ein baumlanger Schwarzer sprang wie ein Flaschenteufel auf und nieder, wobei er bei jedem Sprung an die acht Meter hohe Decke zu stoßen drohte. Das geschulte Hotelpersonal fing die umherflatternden Touristen nebst angesteckten Gästen ein und brachte sie in einen Nebenraum, wo man ihnen ein Niederschlagmittel verabreichte." Das Buch ist immerhin 33 Jahre alt und wissenschaftlich eher zweifelhaft, aber Trimmschuhe und Niederschlagsmittel sollten unserer Meinung nach in keinem Mondhaushalt fehlen. Wo wir gerade vom Mondhaushalt sprechen, ein besonderes Problem dort oben ist der Staub. Der ganze Planet ist von einer riesigen Staubschicht bedeckt. Kein Wunder, es war ja auch schon lange niemand mehr da. Dieser Staub stellt eine ständige Gefahr für die technische Ausrüstung der künftigen Mondbebauer dar und muß natürlich in alle Planungen miteinbezogen werden. Mehrere Lösungsmöglichkeiten bieten sich an. Man könnte 3000 Staubsaugervertreter als Vorhut auf den Mond schicken und dort erstmal sauber machen lassen. Man könnte zur Auflage machen, dass auf jedem bemannten Flug zum Mond mindestens drei Putzfrauen an Bord sein müssen. Oder man könnte die Mondwohnung einfach auf Beine stellen, damit sie ein paar Meter vom Staub entfernt ist. Beim Lunar Base Design Workshop wurde eine solche Mondbasis auf Stelzen konzipiert. Sie besteht aus mehreren festen und aufblasbaren Elementen, Roboterarme heben Lasten vom Boden in die Basis. Es gibt eine ganze Reihe von Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung und im Mittelpunkt dieser Aktivitäten steht nach dem Willen der jungen Konstrukteure die Bar. Dreißig Personen können dort bedient werden, notfalls besteht wohl noch die Möglichkeit ein paar Nischen aufzublasen. Ein kluges Konzept, denn während des Aufenthalts in der Barwerden einige Besucher breiter als bei ihrer Ankunft werden. Manche Konstrukteure waren der Ansicht, die Mondumgebung sei derartig feindselig, dass man lieber gleich unterirdisch bauen sollte. Herausgekommen sind dabei großzügige Wohneinheiten mit Blick ins Grüne. Durch Glasscheiben kann man in großen Gewächshäusern in grüne, dschungelartige Hydrokulturen blicken und hat damit tief unter der Erde tatsächlich das Gefühl, draußen zu sein. Außerdem wurden neuartige Bewegungskonzepte erarbeitet, die der geringeren Schwerkraft Rechnung tragen. Langsames Vornübergeneigtes Laufen bzw. Schleichen auf einem leicht hügeligen Untergrund wurde als ideale Form der Vorwärtsbewegung empfohlen-hinab könnte man auf Schienen oder untertassenförmigen Platformen gleiten, Man kann aber auch einfach springen, 2,5 Meter nach oben oder unten sind auf oder auch unter dem Mond kein Problem. Monthy Pythons "Ministerium der komischen Gangarten" dürfte schon bald seinen Sitz auf dem Mond haben. Zumindest bietet diese Station den größten Auslauf und falls man sich depressiv fühlt, schaut man den Pflanzen beim Wachsen oder den Kollegen beim Laufen zu. Beides wirkt mit Sicherheit aufheiternd.

 
M O N D P R O G N O S E N
 
Es könnte bald auch schon sehr eng auf dem Mond werden, denn ab 2005 wollen die Chinesen auf dem Mond landen und ab 2015 einen ständigen Wohnsitz anmelden. Behaupten sie wenigstens. Auf der Expo in Hannover konnte man schon den einsitzigen Elektrorasenmäher samt Satellitenschüssel besichtigen, mit dem sie auf dem Mond herumfahren wollen. Obwohl es dort keinen Rasen gibt. Wie schon häufiger gesagt, es gibt dort eigentlich überhaupt nichts. Man weiß noch nicht mal mit Sicherheit ob Wasser vorhanden ist, Ohne Wasser aber, so glauben die meisten Wissenschaftler,kann man jede Bautätigkeit vergessen. Viel wichtiger ist nach unseren Berechnungen etwas anderes: Wie kann man die Besiedlung eines Planeten planen ohne die Errichtung eines Heimwerkerbaumarkts in Erwägung zu ziehen? Denn es wird viele Fragen und Probleme zu lösen geben: benötigt man auf dem Mond Mehrfachsteckdosen und Verlängerungskabel? Muß man in amerikanische Mondhotels Adapter mitnehmen, weil sonst die elektrischen Geräte nicht funktionieren? Gilt der internationale Führerschein auf dem Mond und ermäßigt sich mit der Bahncard auch der Shuttleflug? Zumindest wenn man die Reise 20 Jahre im Voraus bucht? Sicher ist: auf dem Mond wird alles leichter. Waschmaschinen, schwere Heizkörper und Klaviere lassen sich auf dem Mond problemlos transportieren.Deshalb sollten wir alleschweren Sachen auf den Mond schaffen.Komplizierteste Klavierstücke fallen einem dort oben ganz leicht, das Gesamtwerk von Marcel Proust läßt sich problemlos in einem Sechstel der Zeit bewältigen. Selbst diesen Artikel hätten Sie auf dem Mond schon vor zehn Minuten durchgelesen und anschließend noch genug Zeit zum Mondstaubwischen in Ihrer Kugel gehabt.